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Daß das Mittelmeer gleich hinter Schwabing beginnt, ist spätestens seit Ludwig I. eine Tatsache. Palazzao und Piazza, Duomo und Ristorante – München ist randvoll mit italienischen Kulissen. Und seit einiger Zeit schmücken auch Espressobars dieses Bild. Doch irgendwie geht es dort anders zu als jenseits der Alpen. Keine Friseure, die sich schnell mir ihrem Stammkunden noch eine Infusion vor der Rasur geben, keine Halbstarken, die die Fußballergebnisse überfliegen und dazu einen Ramazotti in sich hineinstürzen. Gesetzter Mittelstand hält sich hier meist am Tresen fest und versucht, entweder gar nicht oder möglichst vorteilhaft zu lächeln.

Das Macchiato ist anders. Jünger. Quirliger. Weiblicher. Schwabinger. Und deswegen authentischer. Schimmernd wie Abendrot liegt es unscheinbar gegenüber der Münchner Freiheit, vorne lädt die tiefe Fensterbank zum Sitzen und Schauen, hinten klappert ein Perlenvorhang im Wind. Dazwischen eine klein Bar, hinter der junge Frauen konzentriert, lässig und freundlich ihren Job machen.
Espresso und natürlich Macchiato gibt es, alles echt italienisch. Ebenso die Softdrinks und Schnäpse sowie die kleine Auswahl an Panini, Tramezzini und Toasts (> drinks & snacks ). Mittags werden zwei thailändische Menüs angeboten, die auf Wunsch auch vegetarisch zubereitet werden können
(> speisekarte ).

Dieser erfrischende Mangel an Aufgesetztem macht das Macchiato so liebenswert. Mal ist es rappelvoll mit schönen jungen Menschen (hier wird auch Fußball geschaut), mal kann man ganz alleine in einer Ecke bei Zeitung, Kaffee und gutem Jazz abhängen. Wenn dann durch die Tür die Wärme des Sommers weht und draußen gerade alle Ampeln auf Rot stehen – dann kann man hier manchmal sogar das Meer rauschen hören.

Sebastian Dickhaut (in DelikatEssen 97/89)